VR-Money Talk

Die monatlich erscheinende Kolumne rund um Finanzthemen

Birk Nitschack ist Prokurist und Leiter der Individualkundenbetreuung bei Ihrer VR-Bank Altenburger Land eG. An dieser Stelle schreibt er monatlich zu Entwicklung, Einflüssen und Aussichten der Finanzmärkte sowie zu Anlageprodukten und Finanzinnovationen.

14.09.2019

Vermögenserhalt durch Vermögensstruktur

Eine alte Bauernregel besagt: Man soll nicht alle Eier in einen Korb legen. Was in der Landwirtschaft bereits über Jahrhunderte dazu beigetragen hat, Risiken zu minimieren, funktioniert auch in der Finanzwirtschaft. Das Risiko breit zu streuen, ist die wohl wichtigste Regel der Geldanlage. Das Zauberwort heißt Diversifikation und ist dazu auch noch preisgekrönt. Denn für die moderne Portfoliotheorie bekam Harry Markowitz den Nobelpreis.

10.08.2019

Verkaufswelle mit Ansage

Wie gewonnen so zerronnen könnte man die Wirtschaftspolitik der Amerikaner momentan bezeichnen. Beeinflusste der vor gut zwei Jahren neu angetretene US-Präsident die weltweiten Börsen damals noch mit einer Art Götterdämmerung, einem wirtschaftsfreundlichen Gesamtwerk, ist er auf dem besten Wege, diese Lorbeeren zu verspielen. Die kurzfristigen Launen und - mit ziemlicher Subjektivität gefärbten - Behauptungen von Trump zerstörten nicht nur Vertrauen, sie stellen vielmehr den über Jahrzehnte gewachsenen bi- und multilateralen Codex in Frage.

13.07.2019

Minuszinsen – vom Unangenehmen zur Gefahr

Mit der in dieser Woche nominierten Christine Lagarde zur Präsidentin der Europäischen Zentralbank, wird erstmals eine Politikerin die Geschicke der europäischen Geldpolitik lenken. In einem Umfeld von Rendite-Rekordtief und Anleihe-Kursrally, aber auch bevorstehender Konjunkturabkühlung wird die spannende Frage sein, mit welchen geldpolitischen Maßnahmen die neue Chefin den Märkten begegnen wird. Diskutiert wird in Europa durchaus eine neue Welle der Zinssenkungen, in den USA ist diese fast beschlossene Sache.

08.06.2019

Der Optimismus ist verflogen

Den absoluten Klassiker der Kursentwicklung konnten Anleger im Mai erleben. Mit gut fünf Prozent Kursminus erfüllte dieser die Prophezeiungen als traditionellem Verkaufsmonat. Doch wen wundert es, nimmt man einmal alle negativen kursbeeinflussenden Faktoren zusammen: amerikanisch-chinesischer Handelsstreit, europäisch-britische Irrfahrten, amerikanisch-deutsche Prozesse, iranisch-amerikanische Drohungen usw. Positiv gesehen sind das konsolidierungsfördernde Maßnahmen gewesen, welche den guten Jahresstart etwas relativieren.

11.05.2019

Vorwärts in die Vergangenheit... Bitte nicht!

Fulminant ging es nach oben seit Jahresbeginn mit den deutschen Aktien. Knapp 20 Prozent in der Spitze halfen, einen Großteil der Vorjahresverluste wieder auszugleichen. Waren Sie dabei? Wahrscheinlich eher nicht, glaubt man den Statistiken, dass nur 14 Prozent der Gesamtbevölkerung direkt oder indirekt (über Fondslösungen) an Unternehmen beteiligt sind. Banken stellen gerade in der gegenwärtigen – und wahrscheinlich noch Jahre andauernden – Niedrig-, Null-, Negativ- bzw. Fehlzinspolitik der EZB fest, dass die Sparrahmenbedingungen leider keineswegs ein Umdenken der Deutschen mit sich führen. Altersvorsorge wird weiter über das Tagesgeld abgebildet – herzlichen Glückwunsch zu Geldentwertung von zwei Prozent per anno.

13.04.2019

Trend zu sinkenden Renditen

Wenn man die Kursgewinne an den Weltbörsen seit Jahresanfang auf das Gesamtjahr hochrechnet, dann könnte 2019 das beste Aktienjahr aller Zeiten werden. Als Gründe für den aktuellen Kursaufschwung sind zum einen der sehr starke Kurseinbruch aus dem vergangenen Jahr zu nennen, den die Märkte wohl im Nachhinein als zu übertrieben und fundamental unbegründet bewertet haben. Zum anderen wird für das laufende Jahr nicht mehr mit weiteren Leitzinsanhebungen in den USA oder der Eurozone gerechnet, nachdem die amerikanische Notenbank eine Kehrtwende vollzogen hat und von ihren ursprünglichen Straffungsabsichten abgerückt ist.

09.03.2019

Versinkt die Welt in Schulden?

In der gesamten Weltwirtschaftsgeschichte waren Nationen und Bürger noch niemals so hoch verschuldet wie heute. Der Verschuldungsgrad ist in einigen Ländern mittlerweile so hoch, dass sogar minimale Zinssteigerungen zur Staatsinsolvenz führen können. In den zehn Jahren seit der Finanzkrise im Jahr 2008 haben die Firmen ihre Anleiheschulden mehr als verdoppelt. Hinzu kommt, dass immer mehr Unternehmen mit schwächerer Bonität die niedrigen Zinsen genutzt haben, um sich Geld zu leihen.  

09.02.2019

Die Kosten der Niedrigzinsen...

Die Zinsen sinken! Immer noch bzw. immer wieder! Ein Blick auf das Niveau der Umlaufrendite zeigt derzeit 0,04 Prozent und Bundesanleihen sind bis zu einer Laufzeit von acht Jahren im Minuszinsbereich. Noch vor einigen Monaten schien es so, dass Sparer das gröbste überstanden zu haben schienen, ging doch die Zinskurve am mittleren und langen Ende etwas nach oben. Doch die Ambitionen auf eine gerade für Deutschland angemessene Zinspolitik – eines höheren Zinsniveaus – verpufften im politischen Kalkül der Bundeskanzlerin.

19.01.2019

Der Pessimismus nimmt zu...

Konjunkturzahlen und unternehmensspezifische Daten rücken wieder in den Mittelpunkt. Leider nicht viel Positive. Deutschland befindet sich an der Schwelle zu einer Rezession, welche durchaus auch hausgemachte Züge trägt. Zwar muss extern und primär aufgeführt werden, dass die Chinesen und Amerikaner ihren wirtschaftlichen Wachstumszenit längst überschritten haben und so den deutschen Export deutlich ins Stocken bringen. Chinas Exporte gingen im letzten Monat um 4,4 % zurück, die Einfuhren reduzierten sich um fast 8 %. Gerade der dort prestigeträchtige Automarkt knickte um 6 % ein und legt damit den Schatten auf den deutschen Autoexport. Spannend wird es auch in den USA, wenn die Berichtssaison in wenigen Wochen das vergangene Jahr abschließen wird.

08.12.2018

Ein Strohfeuer zum Jahresende

Das Börsenjahr 2018 ist faktisch Geschichte. Nach einigen Jahren der Verwöhnung dürften Anleger, die vornehmlich in Deutschland und Europa investiert sind, per Jahressaldo einen merklich negativen Schnitt machen. Misst man den Anlageerfolg ausschließlich am deutschen Aktienbarometer, steht wohl am Jahresende ein Minus von etwa 15 % zu Buche. Zwar haben zuletzt die wirtschaftspolitischen Annäherungen von China und den USA für temporär positive Effekte an den Märkten gesorgt, vom Tisch ist damit der Handelsstreit nicht. Einem Kompromiss mit viel staatsmännischem Getue müsste jetzt ein wahres Abkommen zur Vermeidung und Beseitigung der Strafzölle folgen, was gerade bei einem unberechenbaren US-Präsidenten schwer zu glauben ist.

10.11.2018

Antizyklisch handeln

Nach der letzten Sitzung der Europäischen Zentralbank besteht auch weiterhin keine Hoffnung, dass auf absehbare Zeit mal wieder Zinsen auf Spareinlagen gezahlt werden können. Angesichts des spätzyklischen Umfelds sorgen sich Investoren, dass auch die Party an den Aktienmärkten bald vorbei sein könnte. Über acht Prozent haben die globalen Aktienmärkte im Oktober korrigiert. Der aktuelle Konjunkturzyklus dauert in den USA, als Leitökonomie der Weltwirtschaft, bereits 113 Monate. Das ist der zweitlängste Wert seit dem Zweiten Weltkrieg.