Konditorei und Kaffeehaus Volkstädt

Inhaber: Kay Melwitz

Am 14. Januar 1878 gründete Ernst Moritz Alexander Volkstädt eine Konditorei in der Residenzstadt Altenburg. Er nutzte den allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung in Stadt und Land, um seine Ideen von leckeren Backwaren, Kuchen und Torten zur materiellen Lebensgrundlage werden zu lassen. Vielleicht hoffte er nach seiner Berufung zum Hofkonditor durch Herzog Ernst II. im Jahr 1901, dass Geschäftsidee und Ladenlokal auch für die folgenden Generationen der Familie die Lebensgrundlage sichern. "Die Konditorei ist seit fünf Generationen immer in Familienhand. Und vielleicht wird es auch eine sechste geben", erzählt der heutige Inhaber Kay Melwitz in seinem sehr liebevoll und im Wiener Stil eingerichteten Café. "Aber das sollen meine zwei Töchter, die ja noch die Schule besuchen, später selbst entscheiden können. Ich selbst bin seit 2001 Konditormeister und habe die Konditorei und das Café im Jahr 2008 durch familiäre Umstände übernommen." Das Kaffeehaus Volkstädt mit Ladengeschäft befindet sich im Herzen der Skatstadt, es ist eine Oase und eine Perle zwischen dem Schlossbereich und dem großen Markt.

In den positiven Erinnerungen an seine Kindheit schwingen aber auch die Herausforderungen nach, die damals Kay Melwitz´ Vater als selbstständigen Konditor begleiteten. "Ich habe den Rohstoffmangel und andere Probleme hautnah miterlebt. So hat mein Vater Bananen und Orangen abends heimlich mit dem Trabi geholt und mit einer Decke abgedeckt. Im Sommer wurde das Obst in großen Mengen eingefroren, wir hatten zehn Tiefkühltruhen, die dann mit Stachelbeeren und anderem Obst gefüllt waren."

Mit der Wende waren diese Probleme natürlich verschwunden. Aber die neuen Zutaten passten oft nicht zu den traditionellen Rezepten. Die Eltern von Konditormeister Melwitz haben diese schwierige Umstellung der Rezepturen hervorragend gemeistert und schon damals in weiser Voraussicht alle Zusatzstoffe wie z.B. Geschmacksverstärker vermieden. Mit einem verschmitzten und auch stolzen Lächeln bemerkt Kay Melwitz: "Unsere Kunden schätzen es sehr, dass unsere Produkte schmackhaft und natürlich sind."

Sein Geschäftsfeld unterscheidet sich in vielen Dingen nicht von anderen Handwerksbetrieben. Allerdings hat sich in den letzten Jahren ein unsagbarer bürokratischer Aufwand angesammelt. "Die Zeit, die ich dafür im Büro sitzen muss, ist unverhältnismäßig hoch, doch das scheint die Politik in Berlin nicht zu stören. Aber meine Frau und ich leben im Jetzt und lösen die Probleme, wenn diese an die Tür klopfen", ist sein selbstbewusstes und sympathisches Statement zu den anstehenden und kommenden Tagesaufgaben. Kay Melwitz ist Mitglied der VR-Bank und hat eine sehr persönliche Bindung zu dieser: "Als kleiner Unternehmer ist man in einer Genossenschaft immer gut aufgehoben. Denn hier ist ein fast familiäres Tun und Wirken möglich, man kennt sich gut und spricht neben dem Geschäftlichen auch über das Private und den Alltag. Und die VR-Bank ist eng mit den Erinnerungen an meine Mutter verknüpft. Oft sind wir gemeinsam zur alten Geschäftsstelle der damaligen Volksbank in der Wallstraße gegangen. Ich habe das Bild noch genau vor mir, wie die Bankangestellte die Finger an einem Schwamm befeuchtete und das Geld zählte." Und abschließend nach den Vorlieben seiner Gäste befragt, kommt wie aus der Pistole geschossen: "Da muss ich nicht nachdenken! An Nummer eins steht unangefochten unsere Baiser-Torte, gefolgt von der Zitronen-Sahne-Torte."